The Leading eBooks Store Online

for Kindle Fire, Apple, Android, Nook, Kobo, PC, Mac, BlackBerry ...

New to eBooks.com?

Learn more

Kopflos

Wie unser Bauchgefühl uns in die Irre führt - und was wir dagegen tun können

Kopflos
Add to cart
US$ 18.07
Wenn die Leistungen von Mitarbeitern trotz Boni und Incentives sinken, Experten mit langjähriger Erfahrung plötzlich grob fahrlässig handeln oder falsche Entscheidungen wider das eigene bessere Wissen mitgetragen werden, weil die Mehrheit sie vertritt, dann sind sie am Werk: Verlustvermeidung, Vorurteilswirkung, Gruppendiktat sind nur einige der Wirkungskräfte, die uns zu irrationalem Handeln verführen. Brafman und Brafman haben die verblüffenden neurologischen Prozesse hinter diesen Wirkungskräften entdeckt. Nach der Lektüre ihres fesselnden Buches können wir rechtzeitig gegensteuern und den schädlichen Einfluss irrationalen Verhaltens verhindern.
 
Inhaltsverzeichnis
INHALT


Prolog

1.Anatomie eines Unglücks
2.Im Sumpf der Festlegung
3.Der Hobbit und das fehlende Bindeglied
4.Michael Jordan und das erste Rendezvous
5. Die Manie-Epidemie und der Chamäleoneffekt
6.In Frankreich dreht sich die Sonne um die Erde
7.Kokain und Motivation
8.Einspruch gegen die Gerechtigkeit

Epilog
Dank
Anmerkungen
Register
 
Auszug aus dem Text
In diesem Buch bringen wir unsere verschiedenen Berufslaufbahnen zusammen. Während Rom in Psychologie promovierte, begann Ori mit seinem MBA. Als er sich einschrieb, hatte Ori erwartet, dass er in Finanzwesen, Buchhaltung und Betriebsführung eintauchen würde, doch schon in seinem allerersten Kurs bei Professor Roberto Fernandez beschlich ihn eine Vorahnung, dass sein Studium wohl in weniger ruhigen Bahnen verlaufen würde. Fernandez hatte ein Stimme, mit der er sich noch auf dem Mond Gehör verschaffen konnte, und Charisma, dass ihm seine Studenten an den Lippen hingen. "Ich habe Neuigkeiten für euch", teilte er seinen eifrigen Zuhörern gleich am ersten Tag mit. "Die Menschen sind nicht vernünftig." Nach dieser kurzen Vorrede führte er einen flackernden Film aus den fünfziger Jahren vor, der eine Herzoperation zeigte. "Seht ihr das weiße Zeug, das sie dem Typen übers Herz schütten?", fragte Fernandez. "Das ist Asbest." Die Studenten hielten den Atem an und wussten nicht, wie sie reagieren sollten.
"Das ist mein Ernst", dröhnte Fernandez. "Es ist eigentlich klar, dass die Leute, die mit Asbest behandelt wurden, nicht lange überlebt haben." Trotzdem hielt das Krankenhaus an der Behandlungsmethode fest. Fernandez warf die Frage in den Raum: "Wie oft gehen wir ganz einfach über objektive Informationen hinweg?"
Dann verteilte er Kopien mit technischen Daten über einen Gummiring. "Sehen Sie sich die Tabellen an", sagte er. "Sie zeigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Material bei sinkenden Temperaturen versagt." Aus den Daten ging eindeutig hervor, dass der Gummiring bei Frost seine Flexibilität und Funktionsfähigkeit verlor. Die Studenten hatten keine Ahnung, worauf Fernandez hinauswollte.
Der erklärte weiter, der fragliche Gummiring sei ein Bauteil des Spaceshuttle Challenger gewesen. Am Abend vor dem Start empfahlen die Ingenieure des Herstellers, den Countdown zu unterbrechen, da sie nicht garantieren könnten, dass das Material unter der angekündigten Kaltfront standhalten würde. Doch die NASA wischte diese Einwände beiseite und setzte die Startvorbereitungen fort.
Ori und seine Kommilitonen lauschten gebannt, während Fernandez ihnen immer neue Geschichten von irrationalen Verhaltensweisen auftischte: Regisseure ließen sich Schauspielerinnen aufdrängen, die für ihre Rolle ganz offensichtlich ungeeignet waren, Fabrikanten stellten wissentlich Flugzeugbremsen her, die Feuer fingen, und so weiter.
Fernandez wollte auf eine einfache Erkenntnis hinaus: Obwohl sich die meisten von uns für vernünftige Menschen halten, sind wir sehr viel anfälliger für unvernünftige Verhaltensweisen, als wir denken. Diese Erkenntnis blieb Ori noch lange nach Abschluss seines Studiums im Gedächtnis haften und zeigte uns, dass unsere zukünftigen Berufe sehr viel mehr gemeinsam hatten als ursprünglich vermutet. Fernandez wurde zu einer festen Redewendung. Immer, wenn jemand ganz offensichtlich irrational handelte, nannten wir das einen klaren "Fernandez-Fall". Und auf diese Fälle stießen wir überall: in unserem eigenen Alltag, in Presseberichten über die Fehlentscheidungen von Großkonzernen, in den Handlungen der Politiker und so weiter.
An die Standards von Laura Ingalls kamen wir nie heran. Doch das Schicksal wollte es, dass wir beide Bücher schreiben sollten. Die eigentliche Geburtsstunde dieses Buchs war ein Abendessen Oris bei einem Arzt, der drei Jahrzehnte lang auf einer Entbindungsstation gearbeitet hatte. Dr. Jenkins hatte alle Qualitäten, die man sich von einem guten Gynäkologen wünschen konnte: Er war geduldig, klug, konnte gut zuhören, und vor allem hatte er viel Erfahrung. Man konnte sich darauf verlassen, dass er die richtige Entscheidung traf.
Über dem Nachtisch kamen sie auf Gruppendynamik zu sprechen und darauf, welche Rolle Emotionen in Entscheidungsprozessen spielen. Ohne weiter nachzudenken, sagte Ori: "Ich nehme an, in Ihrem Beruf ist das anders. Schließlich sind Sie ja alle Wissenschaftler."
Mit ernstem Blick erklärte Dr. Jenkins, Mediziner seien keineswegs vor irrationalen Kräften gefeit. Und da es um Leben und Tod gehe, könne unvernünftiges Verhalten verheerende Folgen haben.
Dann erzählte einer der anderen Gäste, der Notarzt Brian Hastings, eine Geschichte, die belegt, wie irrational selbst erfahrene Ärzte reagieren können. Einige Wochen zuvor war eine Frau in Panik in die Notaufnahme gekommen. Sie gab an, ihre zweijährige Tochter Amy habe starke Schmerzen im Unterleib. Bauchschmerzen können ein Hinweis auf eine harmlose Verdauungsstörung sein, doch die Frau hatte Angst, es sei etwas Ernsteres. Normalerweise würde ein Arzt in dieser Situation einige Untersuchungen durchführen und Amys Symptome diagnostizieren.
Dr. Hastings unterbrach seine Geschichte und erklärte seinen Zuhörern kurz eine Reihe von Routineuntersuchungen, die der Notarzt hätte durchführen können. Doch statt sich Amy anzusehen, achteten die Ärzte nur auf die Mutter: Sie war aufgeregt, nervös, wirkte übermäßig besorgt und machte insgesamt den Eindruck einer Frau, die in diesen und ähnlichen Situationen überreagiert. Also schickten sie Amy wieder nach Hause.
Am nächsten Tag wurden Amy und ihre Mutter wieder in der Notaufnahme vorstellig. Kinderärzte wissen, wie wichtig es ist, den Eltern zuzuhören, denn die haben oft ein gutes Gespür dafür, wenn ihrem Kind etwas fehlt. Doch für die Ärzte bestätigte sich lediglich der Verdacht, dass Amys Mutter überreagierte: Sie stand schon wieder in der Notaufnahme und machte den Eindruck einer typischen "Vielfliegerin", wie Hypochonder in Medizinerkreisen gern genannt werden. Also schickten sie Amy ein zweites Mal ohne Untersuchung nach Hause.
Am dritten Tag ging das Spiel von vorn los. Amy und ihre Mutter kamen in die Notaufnahme, und die Ärzte waren der Ansicht, sie sei hysterisch. Erst als Amy das Bewusstsein verlor, stellten sie fest, dass vielleicht doch etwas nicht stimmte. Aber da war es bereits zu spät. Dr. Hastings schüttelte beim Gedanken an den Fall den Kopf: "Wir haben sie verloren."
Hätten die Notärzte die Situation sorgfältig analysiert, dann wären sie zu dem Schluss gekommen, dass sie Amy aufnehmen und beobachten sollten. Stattdessen ignorierten sie sämtliche Alarmsignale und schickten das Kind mehrmals nach Hause. In dem Moment, in dem die Ärzte die Mutter als Vielfliegerin abgestempelt hatten, wurden sie Opfer einer irrationalen Kraft, die als Diagnose- oder Urteilsverzerrung bekannt ist. Mit anderen Worten, in dem Moment, in dem wir einen Menschen oder eine Situation in eine Schublade stecken, sind wir blind für jeden Hinweis, der unserer einmal gefassten Meinung widerspricht.
Wie konnte es sein, dass diese fähigen und erfahrenen Ärzte ihre jahrelange Ausbildung einfach über Bord warfen und eine Entscheidung trafen, die schließlich einem Kind das Leben kostete? Wir wollten verstehen, was in dieser und ähnlichen Situationen vorgeht, in denen Menschen den Kopf verlieren und vom Pfad der Vernunft abkommen.
Welche psychischen Kräfte sind für unser irrationales Verhalten verantwortlich? Wie gewinnen diese Kräfte Macht über uns? Wann sind wir besonders anfällig für sie? Wie beeinträchtigen sie unsere Karriere? Welchen Einfluss haben sie auf unsere beruflichen und privaten Beziehungen? Wann gefährden sie unsere Finanzen und sogar unser Leben? Und warum erkennen wir nicht, wenn wir den Kopf verlieren?
In diesem Buch untersuchen wir jene psychischen Kräfte, die unsere Vernunft ausschalten. Wo auch immer wir nachgeforscht haben - in den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen, Ländern und Kulturen -, verloren sehr unterschiedliche Menschen auf sehr ähnliche Art und Weise den Kopf. Jeder von uns ist anfällig für Unvernunft. Doch wenn wir verstehen, warum uns irrationale Verhaltensweisen oft so verführerisch erscheinen, fallen wir ihnen in Zukunft vielleicht weniger oft zum Opfer.
 
Biographische Informationen
Ori Brafman studierte Betriebswirtschaft in Berkeley und Stanford. Er ist Gründer eines CEO-Netzwerks, das sich für Frieden und wirtschaftliche Entwicklung einsetzt. Sein Buch »Der Seestern und die Spinne« (2007) berichtet über den Erfolg dieses völlig ohne Hierarchien funktionierenden Netzwerks. Sein Bruder Rom Brafman ist promovierter Psychologe und als Therapeut und Berater tätig.
Campus Verlag; September 2008
217 pages; ISBN 9783593404622
Download in secure PDF format