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Das Judentum

Das Judentum
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Das Judentum gehört nicht nur zu den großen Weltreligionen, sondern umfasst auch eine Jahrtausende alte, faszinierende Kultur mit einer wechselvollen und, wie wir wissen, tragischen Geschichte. In dieser Einführung geht es vor allem um die Grundzüge und Wandlungen der
jüdischen Religion, beginnend mit dem Werden der Tora und Israels im ersten vorchristlichen Jahrtausend. Die Bedeutung dieser beiden Konstanten des jüdischen Lebens und Denkens wird durch die Jahrhunderte verfolgt: von den Anfängen über Mittelalter, Frühe Neuzeit und Moderne bis hin zur Shoa und dem durch sie geprägten heutigen Judentum. Zu jeder Epoche stellt Susanne Galley – neben einer Schilderung der historischen Entwicklung – die religionsgeschichtlichen Besonderheiten sowie exemplarische Werke und Persönlichkeiten vor.
 
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung

2. Vorgeschichte: Vom Werden der Tora und Israels
(1300 v. bis 70 n.d.Z.)
2.1. Von den Ursprüngen. Die Religionsgeschichte
Alt-Israels
2.2. Die Geschichte von Exil und Heimkehr
2.3. Profile des biblischen Israel: Tora, Tempel und
Gelobtes Land

3. Das rabbinische Judentum
(bis 7. Jahrhundert)
3.1. Die Geschichte vom Werden des
Judentums
3.2. Profile des rabbinischen Judentums

4. Mittelalter: Juden unter islamischer Herrschaft
(7. bis 15. Jahrhundert)
4.1. Zur Geschichte der Juden "Babylons"
4.2. Ein "Goldenes Zeitalter"?
Juden im maurischen Spanien
4.3. Profile des sefardischen Judentums: Philosophie
und Kabbala

5. Mittelalter: Juden unter christlicher Herrschaft
(7. bis 16. Jahrhundert)
5.1. Zur Geschichte des aschkenasischen
Judentums
5.2. Profile des aschkenasischen Judentums:
Kommentar und Liturgie

6. Neuanfänge des sefardischen Judentums
(16. bis 20. Jahrhundert)
6.1. Zur Geschichte der Sefarden im Osmanischen
Reich
6.2. Profile des sefardischen Judentums in der
frühen Neuzeit: Lurianische Kabbala

7. Neuansätze im aschkenasischen Judentum
(17./18. Jahrhundert)
7.1. Zur Geschichte der Juden Ost- und
Zentraleuropas
7.2. Profile des osteuropäischen Judentums

8. Tora und Israel auf dem Prüfstand
(19. bis 20. Jahrhundert)
8.1. Zur Geschichte der Juden Europas
in der Neuzeit
8.2. Profile des modernen europäischen
Judentums

9. Schoa

10. Israel und das Judentum der Gegenwart
(seit 1948)
10.1. Zur Geschichte des Judentums in
Amerika und Israel
10.2. Profile des Judentums der Gegenwart

Anhang
Zeittafel
Literatur
Abkürzungen
Glossar
 
Auszug aus dem Text
Das Judentum zeigt sich in seiner mehr als dreitausendjährigen Geschichte stets als eine ausgesprochen pluralistische Kultur, deren Ränder oft nur vage zu bestimmen waren und sind. Es präsentiert sich insofern als eine komplexe Größe, da es sich in wechselnder Gewichtung ethnisch, national, kulturell oder religiös definiert. So wird beispielsweise die Frage, ob säkulare Jüdinnen und Juden überhaupt als solche zu bezeichnen sind, innerhalb der jüdischen Gemeinschaft bis heute kontrovers diskutiert. Das Judentum weist deshalb so pluralistische Züge auf, weil es auf eine lange Geschichte und vielfältige Erfahrungen als Minderheit im Exil zurückblickt. Der Begriff "Exil" bezeichnete jedoch stets unterschiedliche geographische Räume, die zu jeweils eigenen Strategien der Selbstbehauptung und Akkulturation genötigt haben. Die nächste Schwierigkeit, die sich mit dem Titel Das Judentum stellt, begegnet im Begriff Judentum. Allzu selbstverständlich wird er als Bezeichnung einer Religion oder einer Kultur verwendet, die weit älter ist als der Begriff selbst. Im Grunddokument des jüdischen Volkes, der Hebräischen Bibel, sucht man ihn nämlich vergeblich. Paradebeispiel für die changierende Bedeutung des Wortes Jude beziehungweise Judäer ist König Herodes, der von 37 bis 4 v.d.Z. als römischer Vasall über Palästina herrschte. Ethnisch betrachtet gehörte er zum Volk der Idumäer, das jedoch im 2. Jahrhundert v.d.Z. zwangsweise dem jüdischen Volk eingegliedert worden war. Aus diesem Grunde war Herodes ethnisch-politisch zugleich Idumäer und Judäer, was von vielen seiner Zeitgenossen, wie dem jüdischen Historiker Josephus, auch anerkannt wurde. Dieser Umstand ebnete ihm den Weg zur Herrschaft über das jüdische Volk. In dieser Funktion konnte er auch den Tempel zu Jerusalem beträchtlich erweitern und verschönern. Die politischen Gegner des Herodes sahen in ihm jedoch lediglich einen "Halb- Judäer" (vgl. Josephus, Ant 14,403) und hielten seinen Anspruch auf religiöse Teilhabe am Judentum für schlichte Anmaßung. Eine neue und bis heute weithin anerkannte Definition der Zugehörigkeit zum Judentum wurde von der rabbinischen Theologie frühestens ab dem 2. Jahrhundert n.d.Z. entwickelt. Als Jude (nicht mehr: Judäer) gilt, wer eine jüdische Mutter hat (vgl. Mischna Qid 3,12). Dieser Bestimmung zufolge wäre der judäische König Herodes keinesfalls "Jude" gewesen, da seine Mutter einer arabischen Familie entstammte. Entsprechend urteilt im 5./6. Jahrhundert der Babylonische Talmud (BB 3b), Herodes sei ein (heidnischer) Sklave gewesen - hätte also weder König Judäas noch gar Tempel-Erbauer werden dürfen. Je nach Epoche und politisch-religiöser Prägung wird derselbe Herodes somit als Idumäer-und-deshalb-kein- Judäer, Idumäer-und-deshalb-Judäer, als Judäer-und-Jude oder als Araber definiert (Cohen 1999: 13-24). Die Bezeichnung Judentum im Sinne einer Religion bzw. einer vornehmlich religiös definierten Größe entwickelte sich erst in Abgrenzung zum Begriff "Christentum ", der kaum vor dem 4. Jahrhundert seine heute bekannte Ausprägung erfuhr. Sie muss jedoch eher als eine Fremdbezeichnung denn als ein Eigenname angesehen werden. Die jüdische Gemeinschaft im religiösen Sinne verstand sich nämlich als Volk Israel - und tut dies weithin bis heute. In gewisser Weise kommt somit in der Bezeichnung Judentum für die Religion des jüdischen Volkes ein Konflikt zum Ausdruck, da die Christen die Bezeichnung Israel für sich selbst (als das "Neue Israel") reklamierten und sie mithin den Juden streitig machten. Sieht man von modernen Entwicklungen einmal ab, so zeigt sich, dass sich Juden zu allen Zeiten überall auf der Welt auf zwei klar umrissene Größen bezogen haben: auf die Tora, die Offenbarung Gottes am Sinai, sowie auf Israel - in seiner Doppelgestalt als geographische Heimat und ethnisch-religiöse Gemeinschaft. Erst in jüngster Zeit, etwa ab dem 19. Jahrhundert, haben Juden diesen doppelten Bezug in Frage gestellt. Dies geschah einerseits, indem sich das liberale Judentum Westeuropas als eine Konfession im christlichen Sinne definierte, so dass sich deren Anhänger zum Beispiel als "deutsche Staatsbürger mosaischen Glaubens" verstanden. Damit wurde die Bindung zu Israel als geographischer Heimat relativiert. Eine komplementäre Entwicklung vollzog sich bei manchen säkular lebenden Juden, die, wie etwa weite Teile der zionistischen Bewegung, die Befolgung der Tora als obsolet betrachteten, an der ethnisch-geographischen Bezogenheit zu Israel jedoch festhielten. In der Hebräischen Bibel, im Fünften Buch Mose (Deuteronomium), findet sich die klassische Beschreibung der Beziehung zwischen der Tora, dem Volk Israel und dem ihm verheißenen Land. Es ist die Tora, welche den einzig relevanten Unterschied zwischen Israel und den anderen Völkern ausmacht. Es ist dieser Unterschied, der Israel dazu bestimmt, das ihm verheißene Land tatsächlich zu besitzen. Ohne Tora, so schärft es insbesondere das Deuteronomium seinen Hörern immer wieder ein, gibt es keine Zukunft für Israel.
"Siehe, ich lehrte euch Satzungen und Rechtssätze, welche der Ewige, mein Gott, mir geboten hat, so zu tun inmitten des Landes, in welches ihr kommt, es zu erben. Und ihr sollt [sie] bewahren und tun, denn dies ist eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker,welche all diese Satzungen hören und sagen werden: ›Es ist gewiss ein weises und einsichtiges Volk, diese große Nation!‹ Denn wo ist eine große Nation, der Götter [so] nahe sind wie der Ewige, unser Gott, wann immer wir zu ihm rufen? Und wo ist eine große Nation,welche [solch] gerechte Satzungen und Rechtssätze besitzt wie diese ganze Tora,welche ich heute vor euch stelle?" (Dtn 4,5-8)
Die nachfolgenden Generationen Israels haben diese Überzeugung geteilt, sie unter dem Eindruck von Fremdherrschaft und Vertreibung sogar noch stärker betont als ihre biblischen Vorfahren. Als das verheißene Land in den ersten beiden Jahrhunderten n.d.Z. auf lange Sicht endgültig an die Fremden fiel und der Tempel zu Jerusalem in Trümmern lag, blieb die Tora das einzige Unterpfand der jüdischen Existenz. Einzig und allein die Bewahrung der Tora konnte den Unterschied zwischen Israel und den Völkern aufrecht erhalten und somit die Hoffnung nähren, dass die jüdische Gemeinschaft eines Tages in das Gelobte Land würde heimkehren können.
 
Biographische Informationen
Susanne Galley, Dr. phil. habil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Privatdozentin am Kollegium Jüdische Studien sowie am Institut
für Religionswissenschaft der Universität Potsdam.
Campus Verlag; April 2006
200 pages; ISBN 9783593413785
Download in secure PDF format
ISBNs
3593413787
9783593379777
9783593413785