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Alexis de Tocqueville

Alexis de Tocqueville
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Wenn ein Aristokrat die Demokratie favorisiert, ein Franzose die Amerikaner lobt und ein Freigeist nach Religion verlangt, scheint dies paradox. Tocqueville (1805-1859) beweist, dass der erste Blick oft täuschen kann. Seine Werke werfen Probleme auf, die bis heute
ungelöst sind: Wie viel Demokratie darf man wagen? Gibt es einen Konsens zwischen Eigennutz und Gemeinsinn? Und wie viel
Bürokratismus und Politikverdrossenheit kann sich die moderne Gesellschaft leisten? Diese Fragen sind auch nach 200 Jahren hoch aktuell. Die Autoren schildern Tocquevilles Leben und seine politische Wissenschaft, in deren Mittelpunkt die Frage nach dem Verhältnis von Freiheit und Gleichheit steht. Im Namen der Freiheit mahnte er zu mehr Selbstbestimmung und Verantwortung. Auf diese Stimme sollten wir heute hören.
 
Inhaltsverzeichnis
Siglen

Einleitung

1 Tocqueville zwischen alter uneuer Welt

2 Gleichheit und Freiheit

3 Über die Demokratie in Amerika
3.1 Der Horizont der Vereinigten Staaten
3.2 Die neue politische Wissenschaft
3.2.1 Habis of the Heart: Demokratie als Lebensform
3.2.2 Freiheit oder Despotismus
3.2.3 Aristocratiser la démocratie

4 Zwischen Reflexion und Engagement - Tocqueville als Politiker

5 Der alte Staat und die Revolution
5.1 Die Ursprünge der modernen Gesellschaft in Frankreich
5.2 Revolution und Demokratie - Vertauschte Rollen
5.3 Politische Ideologie oder die Schuld der Philosophen

6 Liberalismus einer neuen Art
6.1 Tocquevilles Wahrheiten
6.2 Zivilgesellschaft zwischen Religion und Politik
6.3 Der liberale Dissident

7 Rezeption und Wirkung

Literatur

Glossar

Zeittafel
 
Auszug aus dem Text
Wer nach Denkern Ausschau hält, die angesichts der schwierigen demokratischen Zukunft Orientierung versprechen, kommt an Tocqueville nicht vorbei. Zu einer Zeit, als das postrevolutionäre Frankreich noch um seine soziale und politische Verfassung ringt, hatte er die Leserschaft in der alten und neuen Welt mit einer mutigen These überrascht: Les jeux sont faites, der Sieg der Demokratie ist unaufhaltsam. Zu dieser Überzeugung kommt Tocqueville auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten, deren Erfahrungen er in seinem Erstlingswerk Über dieDemokratie inAmerika (1835/40) verarbeitet. Esmacht ihn früh zu einem Klassiker der politischen Theorie. Obwohl seine Studie seither wechselnden Konjunkturen unterlag, hat sie von ihrer Aktualität nichts verloren. Mit Tocqueville tritt das Nachdenken über die Demokratie in eine neue Phase. Der französische Aristokrat entdeckt in ihr die exklusive Gesellschaftsform (etat social) derModerne.Galt sie den Denkern des 18. Jahrhunderts noch als eine Staatsform unter anderen sowie als Reminiszenz an die antike Volksherrschaft, definiert Tocqueville die Demokratie vorrangig als soziales Phänomen. Gleichheit der Bedingungen (egalite des conditions) - so lautet die spezifische Differenz der demokratischen Gesellschaft. Darunter versteht Tocqueville einen allmählich fortschreitenden Prozess, der allen Bürgern denselben staatsbürgerlichen Status und ökonomische Chancengleichheit gewährt. Volkssouveränität und Gleichheit der politischen Rechte gehören folgerichtig zum Idealtypus des demokratischen etat politique. Aufgrund seines dynamischen Ansatzes sowie der Unterscheidung zwischen sozialer und politischer Sphäre kann Tocqueville allerdings jedes Gemeinwesen mit dem Attribut "Demokratie" versehen, in dem der Zugang zu den sozioökonomischen Positionen für jedermann offen steht. Die Demokratie fungiert damit als Grenzbegriff zur Aristokratie. Die gesellschaftliche Basis, die Tocqueville seinerzeit als "Demokratie" bezeichnete, umreißt die noch heute gültige Struktur der OECD-Staaten. Marktwirtschaft und Bürgerrechte ermöglichen hier dem Einzelnen einen freien und individuellen Lebensentwurf. Tocqueville gehört freilich zu denen, die Zweifel haben, ob mit der Demokratie die Lösung aller Probleme gefunden ist. Doch sieht er nicht nur Risiken, sondern auch Chancen.Was dieDemokratie für die Zukunft verspricht, hängt entscheidend von der Verantwortlichkeit der Bürger für das Gemeinwesen ab. Tocqueville wirft diesbezüglich Fragen auf, die sich bis heute stellen: Wie viel Demokratie darf man wagen? Wie viel Individualismus verträgt die Demokratie?Wie lassen sich Partizipation der Bürger und politische Repräsentation vereinbaren? WelcheGefahren drohen dermodernen Massengesellschaft durch die allgemeine Politikverdrossenheit? Und wie steht es grundsätzlich um den Ausgleich zwischen Staat und Wirtschaft, Individuum und Gesellschaft? All dies sind Herausforderungen, die auch namhafte Demokratietheoretiker der Gegenwart wie John Rawls, Norberto Bobbio und Jürgen Habermas beschäftigen.
 
Biographische Informationen
Karlfriedrich Herb ist Professor für Politische Philosophie und Ideengeschichte an der Universität Regensburg. Oliver Hidalgo ist dort wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Campus Verlag; March 2005
177 pages; ISBN 9783593414126
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