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Business is Showbusiness

Wie Topmanager sich vor Publikum inszenieren

Business is Showbusiness
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US$ 27.91
Performance ist alles. Topmanager wollen nicht nur strategische Planer sein, sondern auch gute Selbstdarsteller. Für ihre Auftritte setzen sie Mittel ein, die sonst vor allem im Theater zum Zuge kommen. Durch Beleuchtung, Kulissen und ausgefeilte Rhetorik wollen Banker und Autobosse ihr Publikum bei Hauptversammlungen, Presse- und Analystenkonferenzen in den Bann ziehen. Brigitte Biehl zeigt, welche Inszenierungsstrategien genutzt werden – und wie sie tatsächlich wirken. Denn oft tritt die gewünschte Wirkung gar nicht ein. Von geglückter Manipulation des Publikums kann bei Auftritten von Topmanagern und Vorständen großer Konzerne meist nicht die Rede sein – plump und pannenreich missmanagen viele ihre Rolle auf der Bühne. Woran das liegt, ist in diesem Buch zu lesen.
 
Inhaltsverzeichnis
Dank7
Einleitung8

Über die Inszenierung11
Theaterwissenschaft, Public Relations und die Inszenierung von Wirklichkeit20
Methodik und Aufbau25
Über die Veranstaltungen und ihre Auswahl28

I Der Held im Theater34
Der verkörpernde Darsteller im dramatischen Theater35
Der distanzierte Darsteller im epischen Theater39
Der authentische Performer im postdramatischen Theater41

II Der Held zwischen Theater und Management47
Unternehmenskommunikation und Events47
Personalisierung51
Publikumsgruppen59
Aktionäre59
Journalisten63
Analysten und institutionelle Investoren66

III Inszenierungsanalyse69
"Spielweise" - Wie treten Manager auf69
Personalisierung und Kompromissbildung69
Techniken der Eindrucksteuerung und die Authentizitätsfrage78
Szenographie84
Ort84
Räumlichkeiten mit Produktdemonstrationen und Büfett87
Die Bühne93
Position des Redners104
Rednerpulte für die Aktionäre107
Requisiten und Dekoration112
Licht und Musik116
Bühnenbild119
Körpersprache128
Kleidung128
Gestik und Haltung132
Blickkontakt und Redestil140
Mimik und Attraktivität142
Stimme150
Rhetorik158
Dramaturgie der Reden162
Persönliche Aussagen und Abweichungen vom
Redemanuskript168
Humor und Selbstironie171
Applaus174
Darstellung von Erfolgen und Misserfolgen178
Bildhafte Sprache184
Strategien in Frage- und Antwortrunden206
Dramaturgie der Antworten211
Längere Ausweichmanöver217
Kurze Repliken und Witzeleien222
Wie sich Antworten verweigern lassen224
Freundliche Abwehrstrategien auf Angriffe226
Umgang mit Unterstellungen230
Die Beantwortung von Fragen im Stile des
Advocatus Diaboli232

Resümee237
Literatur246
Quellen der Veranstaltungen263
 
Auszug aus dem Text
Die ganze Welt ist eine Bühne und auch die Welt der Wirtschaft ist ein Schauplatz zur Selbstinszenierung. Theatralisierung durchzieht das ganze gesellschaftliche Leben und zunehmend auch die Geschäftswelt. Ihre Darbietungen machen sich die Gesetze und Techniken des Showbusiness zu Nutze. Sie bieten Personen, Emotionen und Versprechungen, um Investoren, Medien, Analysten und nicht zuletzt die Öffentlichkeit und Kunden zu beeinflussen, Reputation aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Diese weichen Faktoren werden zu Kapital, das sich hoch verzinst und besonders schwer wiegt, und so hängt die effiziente Wirtschaftsleistung von der wirkungsvollen Selbstinszenierung ab - Business is Showbusiness.
Die Metapher von der Wirtschaftsbühne zeigt sich prägnant im buchstäblichen Sinne bei den Auftritten von Topmanagern: Gefühlige Leitmotive wie "Leistung aus Leidenschaft." oder "A Passion to Perform." prangen über den Brettern, die am Tag einer Veranstaltung der Deutschen Bank die Wirtschaftswelt bedeuten. Konzernchef Josef Ackermann steht wie jeder andere Vorstandsvorsitzende stellvertretend für das Unternehmen und will eine passionierte Performance bieten, überzeugend Rede und gekonnt Antwort stehen. Banker, Airliner und Autobauer müssen nicht nur Planer, sondern auch Selbstdarsteller sein. Die Ackermänner, Mayrhubers und Schrempps versuchen in den Rollen der "Kostenkiller" oder "Mister Shareholder Value" schon äußerlich zu verkörpern, was sie selbst ihrem Konzern zugute halten: Da glänzt das weiße Einstecktuch als Symbol der Finanzelite, ein gebräunter Teint soll jugendlichen Unternehmergeist signalisieren und der passende Vortragsstil kann auf das "Benzin im Blut" verweisen.
Das Verkaufspotenzial bei Auftritten ist hoch, denn der Zuschauer kann sich persönlich ein Bild vom Vorstand machen. Wann wird er einem Manager eher vertrauen: Wenn er ihn direkt erlebt hat und dieser gar eine Frage souverän beantworten konnte - oder nach einem Blick auf das retuschierte Foto im Geschäftsbericht? Wenn die Darbietung gefällt, kann der Auftritt das Ansehen und damit auch die Wertentwicklung des Unternehmens beeinflussen.
Überzeugend aufzutreten und bittschön "authentisch" zu bleiben ist aber nicht einfach. Sich zu präsentieren bedeutet immer, sich zu exponieren. Das Publikum kann interagieren und stellt kritische Fragen, Medien und Investoren wollen wissen, wo die Scheinwelt von Kompetenz und Heldentum endet. Zudem gibt es trotz dramaturgischer Bemühungen wie dem ehrfürchtig hohen Podium lachhafte Pannen: Auf dem Bühnenbild hantiert ein überlebensgroßer Jongleur mit Tennisbällen und die "Leidenschaft" verpufft, wenn die trockene Stimme von Bildertrümmern wie der "überstandenen Ertragsdelle" kündet. Je tiefer der Blick in die Rhetorik, desto weniger Verantwortungsbewusstsein lassen manche Verhaltensweisen zwischen schön Reden und Schönreden vermuten: Personal wird trocken "abgebaut", wirtschaftliche Misserfolge klein geredet, dafür wird das "Produktfeuerwerk" gepriesen. So hat die Kunst der Selbstdarstellung bei Managern einen Gipfel erreicht. Aber beileibe noch nicht den höchsten.
 
Biographische Informationen
Brigitte Biehl, Dr. phil., ist Theaterwissenschaftlerin und arbeitet derzeit als Marketing-Dozentin an der School of Management and Business, an der Universität von Wales, Aberystwyth, in Großbritannien.
Campus Verlag; September 2007
271 pages; ISBN 9783593413198
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