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Erfolg ist eine Kleinigkeit

Warum schon kleine Dinge Großes bewirken

Erfolg ist eine Kleinigkeit
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Häppchen statt Brocken - wie Sie mit geringem Aufwand mehr erreichen

"Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt." Klingt verdächtig nach Großmutters Zeiten? Keinesfalls! Gerade in unserem hektischen Alltag führt uns die Philosophie der kleinen Schritte viel schneller zum Erfolg als der übereilte große Wurf!
Linda Kaplan Thaler und Robin Koval zeigen anhand zahlreicher überraschender Anekdoten, warum Menschen gerade durch Kleinigkeiten positiv beeinflusst werden, wie wichtig Smalltalk mit vermeintlich unwichtigen Menschen ist und warum Sie große Vorhaben lieber mit Bedacht und Muße angehen sollten. Dieser schmale aber kraftvolle Begleiter macht Sie aufmerksam auf die kleinen Dinge, mit denen Sie Großes bewirken werden. Sie werden das (Berufs-)Leben mit neuen Augen sehen - und ganz nebenbei Ihre größten Ziele erreichen!
 
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Vorwort
Einleitung
Kapitel 1:Kleine Dinge, große Wirkung
Kapitel 2:Kleine Wahrheiten
Kapitel 3:Smalltalk - Alltagsgespräche
Kapitel 4:Es darf gerne etwas mehr sein
Kapitel 5:Babyschritte
Kapitel 6:Signale und Zeichen erkennen und deuten
Kapitel 7:Kleine Fehler, böse Folgen
Kapitel 8:Mit kleinen Geistesblitzen groß rauskommen
Kapitel 9:Mit kleinen Dingen die Welt verbessern
Danksagung
Register
 
Auszug aus dem Text
Einleitung

In einer Welt, in der sich jeder darauf konzentriert, das große Ganze zu erfassen und seine Chancen zu ergreifen, in der sich mit jeder neuen Webseite, mit jedem neuen Technikspielzeug alles noch schneller zu drehen scheint, bleibt für die kleinen Dinge des Lebens oft keine Zeit mehr übrig. Details gehen in der Flut aus digitalen Daten, E-Mails und YouTube-Videos unter. Wir haben uns in ein Volk von Datenjunkies verwandelt. Unsere Aufmerksamkeitsspanne reicht gerade einmal aus, um die neuesten Klingeltöne, Trailer, Videoclips und Schlagzeilen zu erfassen. Viele Menschen begreifen ihr Leben weniger als ein Werk von epischer Dichte - sie betrachten es eher als eine Aneinanderreihung von Reclam-Heftchen. Kein Wunder, dass dabei die kleinen Signale, die schlichten Gesten, die unerwarteten Nettigkeiten, die unser Leben bereichern und ihm Bedeutung verleihen, übersehen oder ignoriert werden. Da wir uns permanent überlastet fühlen, achten wir kaum auf die kleinen, aber feinen Unterschiede des menschlichen Miteinanders und wollen uns schon gar nicht mit scheinbar unwichtigen Aufmerksamkeiten abgeben - obwohl wir gerade damit einen viel größeren Eindruck hinterlassen könnten als mit aufsehenerregenden Taten oder hehren Absichten. Fakt aber ist: Ohne die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge des Lebens und die Liebe zum Detail kommt kein Mensch wirklich weiter, wird kein Mensch in seine Traumposition befördert und kann kein Mensch eine echte Heldentat vollbringen.
Selbstverständlich dürfen wir uns nicht in Belanglosigkeiten verlieren, die den Blick für das Wichtige trüben und uns von unseren eigentlichen Zielen ablenken. Wir beide sind große Fans von Richard Carlsons Bestseller 100 Regeln für ein gutes Leben. Doch während er im Hinblick auf unser spirituelles und psychologisches Wohlbefinden davor warnt, unwichtige Banalitäten übermäßig aufzublähen und sich in ihnen zu verzetteln, möchten wir auf die vielen kleinen Dinge des beruflichen und privaten Alltags hinweisen, die so oft übersehen oder als überflüssig abgetan werden, obwohl sie wichtig sind. Es ist alles andere als banal und überflüssig, sich die Zeit für ein nettes Kompliment zu nehmen oder auf die nonverbalen Signale von Kunden und Kollegen zu achten. Kleinigkeiten wie diese sagen bisweilen mehr als tausend Worte. Sie sind das Zünglein an der Waage, die eine Beziehung festigen oder scheitern lassen oder die - für alle Krimifans - den Durchbruch in einem kniffligen Fall bringen. Es sind fast immer die kleinen Gesten und Aufmerksamkeiten, die unsere Persönlichkeit ausmachen und Eindruck hinterlassen.
Die Reaktion auf unser letztes Buch, The Power of Nice, war überwältigend. Unglaublich viele Menschen berichteten uns, wie positiv sich etwas mehr Freundlichkeit - das Lächeln, das sie einem übellaunigen Kollegen schenkten, der Sitzplatz, den sie einem Fremden im Bus überließen - auf ihr Leben auswirkte, und durch alle Geschichten zog sich eine Erkenntnis wie ein roter Faden: Die winzigsten Gesten führen zu den schönsten Erlebnissen. Und diese winzigen Gesten sind es, die in der permanenten Reizüberflutung untergehen. Vor lauter Wald sehen wir die Bäume nicht, geschweige denn die Blätter an den Bäumen. Doch genau auf die Blätter in all ihrer Vielfalt in Farbe, Form und Duft kommt es an, denn in diesen Details zeigt sich, was real ist, was schön ist und worauf es im Leben ankommt.
Der Glaube an die große Wirkung kleiner Dinge ist nicht einfach nur als eine Weltanschauung, sondern auch als guter, pragmatischer Rat zu verstehen. Und wenn wir uns die sich weltweit verschärfenden Krisen anschauen, kommt dieser Rat genau zur rechten Zeit. Genug zusammenzusparen, um den Lebensabend genießen zu können, mag vielen unmöglich erscheinen, doch Cent für Cent etwas zur Seite zu legen ist wiederum ganz einfach. Kleine Samenkörner versprechen reiche Ernte. Der Glaube an die große Wirkung kleiner Dinge ist eine Lebensphilosophie, mit der selbst hochgesteckte Ziele Schritt für Schritt in greifbare Nähe rücken. Wenn wir eines aus der Wahlkampagne des jetzigen US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama gelernt haben, dann doch dieses: Wer Tag für Tag zu einer Extraportion Anstrengung bereit ist, wer sich um das entscheidende Quäntchen mehr bemüht, kann alles erreichen. Die Skala des Erfolgs ist für jeden Menschen nach oben offen.
Das Schreiben dieses Buches hat auch uns um viele Erfahrungen reicher und klüger gemacht. Unsere geschärfte Aufmerksamkeit führte uns immer deutlicher vor Augen, wie positiv sich die kleinsten Kleinigkeiten auf unsere beruflichen und privaten Beziehungen auswirkten. Nach und nach wurde es uns immer wichtiger, gute Arbeit gebührend anzuerkennen, uns die paar Minuten mehr Zeit zu nehmen, um uns noch um ein letztes Detail, einen weiteren Anruf oder eine zusätzliche Aufgabe zu kümmern und unserem Liebsten vor dem Beenden eines Telefonats noch schnell "Ich liebe dich" zu sagen. Wir hoffen, dass dieses Buch auch Ihr Leben bereichert und Sie dazu anregt, jeden einzelnen wunderbaren Moment zu genießen.

Linda Kaplan Thaler und Robin Koval


Kapitel 1
Kleine Dinge, große Wirkung

"Wir können keine großen Dinge tun, aber die kleinen mit Liebe." Mutter Teresa

Larry arbeitete als Programmierer im Vertrieb eines großen Bekleidungsunternehmens mit Sitz in San Francisco. Er war der Herrscher über alle Bits und Bytes, der Helfer in der Not bei Computerproblemen aller Art. Er konnte sich stundenlang damit beschäftigen, Zahlenkolonnen auf immer neue Weise zu zerstückeln. Kurz gesagt, Larry hatte sich den Ruf geschaffen, ein echter Computerfreak zu sein.
Larry bewunderte die Männer und Frauen in der Vertriebsabteilung. Wie locker sie miteinander umgingen, wie ungezwungen sie sich miteinander unterhielten, wie schick und modisch sie sich doch kleideten! Oft dachte sich Larry: "Das kann ich auch, so will ich auch sein." Allerdings hatte er keine Ahnung, wie er es anstellen sollte, aus seiner relativ festgefahrenen beruflichen Laufbahn auszubrechen - falls er für dieses Wagnis überhaupt genügend Mut aufbrächte. Sollte er kündigen und eine Zusatzausbildung beginnen? Sollte er sich einen Nebenjob suchen, bei dem er abends noch einige Stunden Verkaufserfahrung sammeln konnte? Sollte er sich an einen Karriereberater wenden? Larry konnte sich nicht entscheiden, und die Vorstellung, eine völlig neue Richtung einzuschlagen, machte ihm auch ein bisschen Angst.
Dann führte ihn der Zufall oder das Schicksal eines Tages in Patricia Fripps' Friseursalon für Männer. Patricia war die Wegbereiterin eines neuen Trends: Sie bemühte sich als eine der ersten Friseurinnen erfolgreich darum, männliche Kunden aus den klassischen, rein funktionell ausgestatteten Haar- und Bartschneidesalons in hippe Haarstudios zu locken. Für die leidenschaftliche Haarstylistin Patricia war es Ehrensache, jedem Kunden einen ganz individuellen Haarschnitt zu verpassen, der seine Persönlichkeit besser zur Geltung brachte. Oft war es nur ein kleines Detail - die Linie des Scheitels oder die Länge der Koteletten -, das die Meisterin fachkundig veränderte, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Larry nahm also Platz, und Patricia begann ihr Werk.
Eine halbe Stunde später hatte sich Larrys Erscheinungsbild völlig verändert. Zurück an seinem Arbeitsplatz überhäuften ihn seine Kolleginnen mit Komplimenten, und als er am Abend nach Hause kam, begrüßte ihn seine Frau mit den Worten: "Hallo Schätzchen, du sieht einfach toll aus!" Selbst der jungen Verkäuferin in dem Coffeeshop, in dem er sich jeden Morgen seinen Kaffee holte, fiel Larrys verändertes Aussehen auf: "Irgendwie sehen Sie ganz anders aus."
Die neue Frisur hatte zur Folge, dass sich Larrys Selbstwahrnehmung radikal veränderte, was wiederum eine ganze Reihe verblüffender Erkenntnisse und Ereignisse auslöste. Nach und nach dämmerte es ihm, dass er durchaus neue Wege beschreiten konnte, wenn er nur einen kleinen Schritt nach dem anderen unternahm. Zuerst kaufte er sich einige neue Kleidungsstücke. Dann ging er wieder regelmäßig ins Fitnessstudio, und er bemühte sich, häufiger freundlich zu lächeln. Larrys veränderte Wahrnehmung seiner Person färbte natürlich auch auf sein Umfeld ab. Nachdem er sich mit einigen der Vertriebsleiter angefreundet hatte, vertraute er ihnen eines Tages an, wie sehr er sie um ihren Job beneidete. Kurz darauf bot ihm der Abteilungsleiter eine Stelle im Vertrieb an.
Larry zeigte sich der neuen Herausforderung nicht nur gewachsen. Er entwickelte sich sogar zum besten Vertriebsprofi der Abteilungsgeschichte. Obwohl sein Vertriebsgebiet fünf Mal verkleinert wurde, verkaufte er noch immer mehr als seine Kollegen. Es dauerte nicht lange, bis Larry zum Vertriebsleiter des Unternehmens befördert wurde.
Sicher, Larry besaß ein gewisses Verkaufstalent, und er investierte auch sehr viel Zeit und Mühe, um sämtliche Details, die es über die Produkte und Kunden zu wissen gab, zu verstehen. Seine umfassenden Computerkenntnisse und sein Geschick im Umgang mit Zahlen und Tabellen erwiesen sich auch als recht praktisch. Doch wenn Sie Larry fragen, wie es zu dieser wundersamen Wandlung in seinem Leben kam, wird er Ihnen mit einem breiten Grinsen im Gesicht sagen: "Ganz ehrlich? Mein Erfolgsweg begann mit einer neuen Frisur."
Dieses kleine Beispiel zeigt, welches erstaunliche Potenzial in ganz und gar unspektakulären Handlungen, subtilen Perspektivenverschiebungen und konsequenter Achtsamkeit für Details steckt. Kleinigkeiten wie diese haben die Macht, alles zu verändern - die berufliche Laufbahn, zwischenmenschliche Beziehungen, das Wohlbefinden und nicht zuletzt unseren Einfluss auf unser Umfeld.
Bei Larry erwies sich die neue Frisur als Katalysator, der den Wandel ins Rollen brachte. Vor seinem Friseurbesuch fehlte es ihm an Selbstvertrauen und einem konkreten Plan. Er sehnte sich nach Veränderungen, wusste aber nicht, wie er sie herbeiführen konnte. Daher wartete er einfach nur darauf, dass irgendetwas Weltbewegendes geschah, das ihm aus der Klemme half.
Nach seinem Friseurbesuch veränderte sich nicht nur Larrys Aussehen, sondern auch seine Sichtweise. Die Tatsache, dass er die freundlichen Bemerkungen über seine neue Frisur nicht einfach als höfliche Belanglosigkeiten abtat, sondern als ehrlich gemeinte Komplimente auffasste, war zwar ein winziger, aber ein bewusst vollzogener Schritt in eine neue Richtung. Der Anfang war gemacht. Und meistens stellt gerade der Anfang eines Veränderungsprozesses - die ersten kleinen Schritte zu umwälzenden Veränderungen im Leben zu wagen - die größte Schwierigkeit dar.
Die kleinen, unbedeutend erscheinenden Entscheidungen und Handlungen sind - sofern wir ihnen genug Beachtung schenken - die wirklich treibenden Kräfte des Wandels und des Wachstums. Allerdings gilt es heutzutage leider als Zeitverschwendung, Kleinigkeiten (zu) große Beachtung zu schenken. Viele halten diese kleinen Veränderungen schlicht für irrelevant. Was sollte man davon schon haben? Meilensteine werden lautstark gefeiert, doch die kleinen Siege des Alltags, die dem nachhaltigen Wandel vorausgehen, werden geflissentlich ignoriert. Der kanadische Forscher Jamie Clarke, der Schritt für Schritt den Mount Everest bestieg, sagte einmal, dass Kleinigkeiten nicht nur große, sondern auch magische Kräfte innewohnen.
Inmitten der unzähligen kleinen Alltagsangelegenheiten geht diese wichtige Botschaft jedoch meist unter. Um uns in unserer so hektischen Welt zurechtzufinden, sieben und filtern wir konstant aus, was wichtig ist und was ignoriert werden kann. Und das ist auch gut so. Würden wir nicht den Großteil der überflüssigen "Störgeräusche" um uns herum ausblenden, wüssten wir bald weder ein noch aus. Und ganz ehrlich: Wenn wir uns tatsächlich merken wollten, auf welchem Kanal welches der unzähligen Fernsehprogramme zu finden ist oder wie die kryptischen Anweisungen aus dem Microsoft-Word-Benutzerhandbuch genau lauten, kämen wir ja überhaupt nicht mehr dazu, etwas Produktives zu leisten.
Indem wir ganz und gar nutzlose Banalitäten ausfiltern, machen wir jedoch auch kurzen Prozess mit all den Kleinigkeiten, auf die es im Leben ankommt: den kleinen Gesten und leisen Tönen, den Nettigkeiten, die so viel über unsere Aufmerksamkeit für Details, über unsere Bereitschaft und den Willen zu Veränderung und Verbesserung aussagen. Ob Sie E-Mails vor dem Absenden prinzipiell ein zweites Mal durchlesen oder nicht, lässt darauf schließen, wie gewissenhaft Sie bei größeren Projekten zu Werke gehen. Mit einem schriftlichen Dankeschön für die Hausaufgabenbetreuung Ihres Sprösslings machen Sie mit Sicherheit größeren Eindruck als mit einer Schachtel Pralinen. Von Kleinigkeiten wie diesen können Karrieren, Beziehungen und manchmal sogar Menschenleben abhängen.
Viele Menschen investieren unglaublich viel Zeit und Energie in die langfristige Planung ihres Berufs- und Privatlebens und tüfteln die dazu passenden Strategien aus. Doch das Leben lässt sich nur selten vorausplanen. Manchmal sind es gerade die kleinen, ungeplanten, spontanen Entscheidungen, die unsere Träume wahr werden lassen. Das gilt vor allem für Herzensangelegenheiten.

Freundlichkeit wärmt das Herz
Simone und Jake waren seit knapp zwei Jahren ein Liebespaar. Simone fand, sie passten perfekt zusammen. Für sie war Jake der Mann ihrer Träume, den sie heiraten wollte. Jake dagegen fand, es wäre zu früh, sich fest zu binden. Er war noch nicht so weit. Wann immer Simone ihre gemeinsame Zukunft ansprach, wechselte er das Thema.
Die Zeit verging, und Simone verzweifelte allmählich. Sie beschloss, Nägel mit Köpfen zu machen und sich Klarheit zu verschaffen. Wenn Jake noch immer nicht bereit war, sich fest zu binden, würde sie sich von ihm trennen. Der Trennungsschmerz würde ihr zwar das Herz brechen, doch so konnte es unmöglich weitergehen. Sie würde bestimmt nicht darum betteln, dass Jake ihr einen Heiratsantrag machte.
Einige Tage später gingen Simone und Jake zum Abendessen aus. Auf dem Weg in das Restaurant kamen sie an einem Obdachlosen vorbei, der zusammengekauert auf der Straße saß und dem eisigen Wind schutzlos ausgeliefert war. Simone blieb stehen. Der Anblick des frierenden, schmutzigen und hungerleidenden Fremden hatte sie abrupt aus ihren Gedanken gerissen, die sich um das bevorstehende Gespräch gedreht hatten.
"Ich bin gleich wieder da", rief sie Jake zu.
Simone eilte auf die gegenüberliegende Straßenseite, verschwand in einem Secondhandshop, kam mit einer großen Tüte wieder heraus und lief zur nächsten Straßenecke, an der sich ein Feinkostladen befand. Diesen verließ sie mit einer weiteren Tüte. Dann kehrte Simone zu dem vor Kälte zitternden Obdachlosen zurück. Aus der großen Tüte zog sie einen warmen Wollmantel, aus der kleinen eine Schale heiße Suppe und ein Sandwich.
"Hier", sagte sie, "das ist für Sie."
Als Simone und Jake weitergingen, schwor sie sich, Jake heute Abend offen und ehrlich zu sagen, was sie für ihn empfand und wie sie sich fühlte.
Sobald sie in dem Restaurant Platz genommen hatten, atmete Simone tief durch. "Jake", begann sie, "ich muss dir etwas sagen."
"Zuerst will ich dich etwas fragen", unterbrach Jake sie. "Ich habe zwar keinen Ring, tut mir leid, aber ich muss dich das jetzt einfach fragen: Simone, willst du meine Frau werden?", platzte es aus ihm heraus.
Simone war wie vor den Kopf geschlagen. "Wieso fragst du mich das ausgerechnet jetzt?", brachte sie gerade noch heraus.
"Als du diesem Obdachlosen einen Mantel und eine warme Suppe gebracht hast", erklärte Jake, "wurde mir klar, dass ich den Rest meines Lebens mit einer so wunderbaren und warmherzigen Frau verbringen möchte."
Überflüssig zu erwähnen, dass Simone Jakes Antrag von Herzen gerne annahm. Mittlerweile sind sie glücklich verheiratet und haben drei wunderbare Kinder.
Simones Reaktion auf den frierenden Obdachlosen war keine überlegte Handlung, sondern ein kleiner, spontaner Akt der Hilfsbereitschaft, der bei Jake einschlug wie ein Blitz und ihm die Augen öffnete. Alles, was er sich für die nächsten 20 Jahren seines Lebens wünschte, war direkt vor ihm und zum Greifen nah: Simone, die ein so großes Herz hatte, dass sie spontan einem Fremden in Not half. Durch diesen einen Akt hatte er mehr über Simones Wesen erfahren, als es ihm in Tausenden von Gesprächen gelungen wäre.
"Die meisten Paare glauben, ihre Beziehungsprobleme oder Ehekrisen ließen sich nur durch grundlegende Veränderungen oder gar Wunder lösen", berichtet Psychologieprofessor Howard Markman von der Universität Denver. Und normalerweise denkt jeder Partner natürlich, der andere müsste etwas verändern. Allerdings ist es ein Irrtum zu glauben, wir könnten andere Menschen ändern - das Einzige, was wir wirklich ändern können, ist unser eigenes Verhalten.
"Der Durchbruch in der Beziehungsarbeit kommt dann zustande", so Professor Markman weiter, "wenn den Partnern klar wird, dass sich grundlegende Verbesserungen zum Guten nicht in einem Gewaltakt, sondern in kleinen Schritten erreichen lassen, indem sich jeder an die eigene Nase fasst und die eigenen Verhaltensweisen ein klein wenig ändert."
Simones spontane Hilfsbereitschaft - einem Menschen in Not einen gebrauchten Mantel für zehn Dollar und eine warme Suppe für zwei Dollar zu kaufen - stellte die Weichen für ihren weiteren Lebensweg. Daran zeigt sich, dass Kleinigkeiten das Potenzial innewohnt, unser Leben und das unserer Mitmenschen entscheidend zu beeinflussen.
Um dieses Potenzial freisetzen zu können, muss man natürlich wissen, welche Details besondere Achtsamkeit verdienen.
John Wooden, der erste Basketballprofi, der es sowohl als Spieler als auch als Trainer in die Ruhmeshalle des Basketballs schaffte, weiß wie kein anderer um die große Bedeutung kleinster Details. In seinem Buch A Lifetime of Observations and Reflections On and Off the Court erklärt Wooden, warum Kleinigkeiten, die uns irrelevant erscheinen, den Unterschied zwischen "Champion und Beinahe-Champion" ausmachen können. Zu Beginn einer neuen Saison führte er bei der ersten Mannschaftsbesprechung immer dieselbe Übung durch. Dabei ging es weder um Dunking noch um Schnellangriffstechniken - nein, die berühmte Trainerlegende übte mit den Spielern, sich die Socken anzuziehen.
"Ich bestand darauf, dass die Socken bei jedem absolut perfekt, faltenfrei und gerade saßen", erklärt Wooden. "Zuerst führte ich es den Spielern einmal vor, und anschließend habe ich bei jedem einzelnen Spieler eine Sockenkontrolle durchgeführt. Das mag sich übertrieben pedantisch und unsinnig anhören... Es hatte aber einen ganz praktischen Grund. Sitzen die Socken nicht einwandfrei, kann es passieren, dass der Spieler Blasen an den Füßen bekommt, und mit einer schmerzhaften Blase kann er weder im Training noch im Turnier Bestleistung erbringen... Vermeintliche Banalitäten wie diese summieren sich, und zusammengenommen entscheiden sie letztendlich über Sieg oder Niederlage."
In der Geschäftswelt ist genau diese Art der Achtsamkeit für Details gefragt, um Fehltritte zu vermeiden und den Siegtreffer zu landen. Als wir The Kaplan ThalerGroup gründeten, hatten wir uns nicht vorgenommen, mit unserer Werbeagentur einmal Umsätze in Milliardenhöhe zu machen und uns einer großen Aktiengesellschaft anzuschließen. Wir hatten uns kein großes Ziel gesetzt, das wir in fünf oder zehn Jahren erreichen wollten. Stattdessen verfolgten wir zigtausend Miniziele. Wir hatten festgestellt, dass sich die besten Zukunftschancen ergaben, wenn wir uns einfach nur darauf konzentrierten, die unzähligen kleinen Probleme des Alltags zu lösen. Aber das ist natürlich nur in einem Umfeld möglich, in dem jeder gewillt ist, mit anzupacken, ganz gleich, wie klein und unbedeutend die Aufgabe auch erscheinen mag.
Am Tag unserer Firmengründung waren wir zu sechst, doch erst als wir schon 15 Leute waren, konnten wir uns endlich genügend Bürosessel leisten, damit in dem viel zu engen Dachgeschoss des alten Sandsteingebäudes, das uns damals als Büro diente, jeder einen eigenen Sitzplatz hatte. Wir alle hatten natürlich unsere speziellen Zuständigkeitsbereiche, was die Agenturaufträge betraf, aber für die Dinge des Alltags war jeder zuständig. So kam zum Beispiel einer nach dem anderen an die Reihe, am Abend den Müllbeutel hinunterzutragen und heimlich in dem Müllcontainer der Schule gegenüber verschwinden zu lassen - wir konnten uns damals noch keine eigenen Mülltonnen leisten. Vor allem diese heimliche Müllentsorgungsaktion - über die wir uns heute köstlich amüsieren - machte uns damals klar, dass wir genau die richtigen Leute in unserem Team hatten, um mit unserer Firma Erfolg zu haben: Mitarbeiter, die flexibel und loyal waren. Kein Einziger war sich zu schade dafür, auch Kleinigkeiten zu erledigen, und gerade wenn es um kleine, lästige Pflichten geht, wird ja oft lieber gemeckert als gemacht. Doch die Momentaufnahmen des Lebens, die aus unzähligen kleinen Gesten, kurzen Begegnungen und winzigen Details bestehen, zeichnen Vorgesetzten, Kollegen, Freunden und Bekannten ein sehr deutliches Bild unseres Wesens.
Linda erinnert sich noch gut an die erste Verabredung mit ihrem Ehemann Fred. Eine kleine Aufmerksamkeit überzeugte sie damals davon, dass er der Richtige war. "Es war furchtbar kalt, und als Fred mich abholen kam, schlüpfte ich nur schnell in den Mantel, knöpfte ihn aber nicht ganz zu. Ich ging hinaus, und noch auf der Türschwelle hielt er mich auf und knöpfte mir den Mantel ganz zu. Ohne ein Wort zu sagen! So bitterkalt es auch war, mein Herz schmolz dahin. Sogar heute noch, nach 22 Jahren, sorgt Fred dafür, dass die Kinder und ich immer warm eingepackt sind, bevor wir aus dem Haus gehen."

Mädchengespräche
Vor einigen Jahren sollten wir im Auftrag der US-amerikanischen Pfadfindervereinigung Girl Scouts eine Kampagne entwerfen. Sie sollte Mädchen im Teenageralter dazu ermutigen, sich auch auf den weiterführenden Schulen für Mathematik und Naturwissenschaften zu begeistern. Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge hatten Mädchen in diesen Fächern in der Grundschule die Nase vorn, schienen aber in der weiteren Schullaufbahn ganz plötzlich das Interesse daran zu verlieren. Die Eltern, die wir im Zuge unserer Recherchen dazu befragten, waren völlig perplex. Sie hatten doch alles Menschenmögliche getan, um die wissenschaftliche Neugier und den Forschergeist ihrer Töchter zu fördern! Nach drei Tagen anstrengender Elternbefragungen erwähnte eine Mutter beiläufig, dass sie sogar eine wissenschaftliche Sendung für ihre Tochter aufnehmen wollte, doch da ihr Mann auf Dienstreise war, ginge das nun leider nicht. Wir wurden hellhörig und hakten nach: "Und warum geht das nicht?"
"Ach wissen Sie, mit diesem technischen Kram kenne ich mich einfach nicht aus. Das habe ich meiner Tochter auch schon erklärt. Frauen und Technik, da prallen eben zwei Welten aufeinander", antwortete sie lachend. Und da ging uns plötzlich ein Licht auf. Diese kleine, beiläufig dahingesagte Bemerkung führte letzten Endes dazu, dass wir einen Werbespot entwickelten, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Darin machten wir deutlich, wie wichtig es ist, dass Mütter die kindliche Neugier ihrer Töchter fördern und ihr Interesse an Mathematik und den Naturwissenschaften nach Kräften unterstützen, sie sollten aber vor allem auch explizit darauf achten, sie nicht durch unbedachte Äußerungen, eigene Unsicherheiten oder Vorurteile zu verunsichern. Ohne sich dessen bewusst zu sein, geben viele Mütter das alte Ammenmärchen, Mathematik und Wissenschaft sei einfach nichts für Mädchen, an ihre Töchter weiter. Mit unserer Kampagne zielten wir darauf ab, Mädchen und jungen Frauen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen, und wurden dafür mit dem White House Project Award ausgezeichnet.
Detailversessenheit ist ein absolutes Muss für jeden, der effektive Werbespots für das Fernsehen entwerfen will. Hier zählt jede Sekunde. Ein Hollywoodregisseur hat es da deutlich leichter. Er hat nicht nur rund zwei Stunden Zeit, um seine Geschichte zu erzählen - er kann sich außerdem noch sicher sein, dass das Publikum dieser Geschichte wie gebannt folgt, während sie sich auf einer imposanten Großleinwand entfaltet. Wir aus der Werbebranche dagegen müssen unsere Botschaft in 15 oder 30 Sekunden über einen relativ kleinen Fernsehbildschirm einem Publikum vermitteln, das Werbepausen gerne dafür nutzt, um schnell etwas zu erledigen. Jedes noch so kleine Detail, jedes Wort muss darauf ausgerichtet sein, Aufmerksamkeit und Interesse zu wecken, sonst schaltet der Zuschauer um oder gedanklich ab. Als Faustregel für Werbespots im Fernsehen gilt: Wird das Interesse des Zuschauers nicht innerhalb der ersten fünf Sekunden geweckt, war alle Mühe umsonst. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass die Fragen und Problemchen, um die sich Werbespots üblicherweise drehen, nicht gerade Blockbusterpotenzial haben: "Was koche ich meiner Familie zum Abendessen?", "Mit welchem Haarpflegeprodukt sitzt meine Frisur auch bei Wind und Wetter perfekt?", "In welcher Jeans sieht mein Hinterteil schlank und knackig aus?" Für den Erfolg von Fernsehwerbung ist es daher entscheidend, kreative und originelle Momentaufnahmen einzufangen - wie beispielsweise die eines Frettchens, das aus einer Babytrage herausschielt, während sein Frauchen herzhaft in einen Bagel beißt - oder Ohrwürmer wie den Werbesong von Toys"R"Us zu komponieren, den Millionen US-Amerikaner noch heute auswendig können.
Doch zurück zu der spannenden Frage, inwiefern kleine Dinge große Auswirkungen auf unser Privat- und Berufsleben haben.
Jeder Mensch strebt danach, sich weiterzuentwickeln und sich beruflich zu verändern oder zu verbessern. Zu Silvester werden gute Vorsätze gefasst, die jedoch bis Mitte Februar meistens wieder in Vergessenheit geraten sind. Voller Energie und Tatendrang beginnt man die Woche in der Hoffung, bis Freitag das große Glück gefunden, die lang ersehnte Beförderung oder wenigstens ein größeres Büro erhalten zu haben. Doch all die winzig kleinen Schritte, die letzten Endes an das Ziel führen, werden übersehen statt unternommen. Das Rezept für Erfolg und Fortschritt enthält eine wertvolle Zutat. Wir sollten lernen, den Blickwinkel ein wenig einzugrenzen und den Fokus nicht so sehr auf die großartigen und schwer erreichbaren Fernziele zu richten, sondern auf die kleinen, machbaren Dinge, die vor uns liegen und zu greifbaren Ergebnissen führen.
Die Liebe zum Detail ist nicht nur die treibende Kraft unseres geschäftlichen Erfolgs, sondern auch unser Leitfaden im Umgang mit Angestellten, Kunden, Freunden, unserer Familie und überhaupt allen Menschen, die uns Tag für Tag über den Weg laufen. Die Sympathien, die uns freundliche Worte, nette Gesten und Taten einbringen, legen den Grundstein für ein glückliches, erfolgreiches Leben. Es gehört wirklich nicht viel dazu, man muss es nur wollen.
In den folgenden Kapiteln werden wir Ihnen zeigen, wie die kleinen Dinge in den verschiedenen Bereichen des Lebens ihre große Wirkung entfalten; wie Sie dem Wald und den Bäumen Beachtung schenken, um die Macht der Kleinigkeiten auch in Ihrem Leben wirken zu lassen.
 
Biographische Informationen
Linda Kaplan Thaler und Robin Koval führen gemeinsam die preisgekrönte Werbeagentur Kaplan Thaler Group mit Sitz in New York. Linda Kaplan Thaler ist der kreative Kopf, während Robin Koval den strategischen Bereich verantwortet. Zusammen veröffentlichten sie 2008 "The Power of Nice". Wie Sie die Welt mit Freundlichkeit erobern können. Die Kaplan Thaler Group gehört zu den führenden Werbeagenturen in den USA und hat bereits 13 Clio Awards gewonnen. Ihre eigenen Ratschläge setzen die Autorinnen seit langem auch konsequent in ihrer Agentur um.
Campus Verlag; August 2011
226 pages; ISBN 9783593414362
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