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Der Krieg

Geschichte und Gegenwart

Der Krieg
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Der Krieg hat sich mit dem Golfkrieg 1991, den afrikanischen Bürgerkriegen und den Terroranschlägen der jüngsten Zeit grundlegend gewandelt. Andreas Herberg-Rothe schildert, wie sich der Krieg aber bereits im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert hat und
lässt ein umfassendes Bild des Krieges entstehen: von den Waffenträgern bis zu den Kriegsursachen, vom Aspekt des Tötens im Krieg bis zur Unterscheidung zwischen Staaten- und Bürgerkrieg. Immer wieder nimmt er dabei Bezug auf die neuen Kriege, die uns im 21. Jahrhundert drohen.
 
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Chamäleon Krieg
1 Staatenkrieg, Bürgerkrieg, nicht-staatliche Kriege
2 Moderne, Krieg und Gewalt
3 Waffenträger: Vom Söldner bis zum
Terroristen
4 Vielfalt der Kriegsursachen
5 Töten im Krieg
6 Kontinuitäten und Brüche
Literatur
Glossar
 
Auszug aus dem Text
Einleitung: Chamäleon Krieg
»Der Krieg ist also nicht nur ein wahres Chamäleon, weil er in jedem konkreten Fall seine Natur etwas ändert, sondern er ist auch seinen Gesamterscheinungen nach, in Bezug auf die in ihm herrschenden Tendenzen, eine wunderliche Dreifaltigkeit«.
Mit diesen Worten leitet Carl von Clausewitz, der bis heute bedeutendste Theoretiker des Krieges und der Kriegführung, seine
abschließenden Überlegungen zur Theorie des Krieges ein. Diese drei Tendenzen der »wunderlichen Dreifaltigkeit« sind die ursprüngliche Gewaltsamkeit des Krieges, der Kampf zwischen zwei oder mehreren Gegnern sowie die untergeordnete Natur des Krieges als eines politischen Werkzeuges. Im Gegensatz zu gängigen Interpretationen erschöpft sich Clausewitz’ politische Theorie des Krieges keineswegs in seiner berühmten Formel vom Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Vielmehr betont er mit seiner dialektischen Konzeption der wunderlichen Dreifaltigkeit die Wandelbarkeit des Krieges, seinen chamäleonhaften Charakter (Clausewitz 1990, 212 213).
»Dies ist kein Krieg mehr.« Diese von Lord Kitchener, Oberbefehlshaber der englischen Streitkräfte, während des Ersten Weltkriegs getroffene Aussage verdeutlicht grundlegende Probleme mit dem leidvollen Phänomen Krieg (zit. Stephan 1998, 133). In der historischen Entwicklung hat es immer wieder Zäsuren in der Kriegführung gegeben, die den Zeitgenossen als umwälzend und revolutionär galten,
während sie den Nachkommen als bloße Fortentwicklungen des Krieges erschienen. Nach dem Interventionskrieg gegen den Irak von 1991 plädierte man sogar für die »Abschaffung des Krieges«. Gemeint war jedoch, dass solche »Polizeiaktionen« nicht mehr mit dem Begriff des Krieges belastet werden sollten (Osiander 1995). Auch heute geht man von einem grundlegenden Bruch in der Kriegsgeschichte aus, dem zwischen alten und neuen Kriegen nach den Epochenjahren um 1989 und dem Ende des Wettrüstens zwischen Ost und West.
Die neuen Kriege sind gekennzeichnet durch den Verfall von Staatlichkeit und das Überhandnehmen privatisierter Gewalt, das Auftreten scheinbar längst der Vergangenheit angehörender Waffenträger wie Söldner, Kindersoldaten und Warlords sowie durch Kämpfe um Identität, Bodenschätze und grundlegende existentielle Ressourcen wie etwa Wasser. Ihr äußeres Kennzeichen ist das vermehrte Auftreten irrational scheinender und exzessiver Gewalt (Selbstmordanschläge, Formen von Mega-Terror wie bei den Anschlägen vom 11. September), Massakern linker wie rechter, islamistischer oder sonstiger religiöser Bewegungen oder das Umschlagen von nachbarschaftlichen Beziehungen in den »Kampf aller gegen alle« in ethnisch überformten Konflikten.
Die neuen Kriege und das Auftreten massenhafter Gewalt sind jedoch nur die eine Seite. Die andere ist charakterisiert durch eine technologische Revolution, die nur mit der Einführung der Motorkraft in die Kriegführung vergleichbar ist, vor allem von Panzern und Flugzeugen Anfang des 20. Jahrhunderts. Symbol dieser megatechnologischen Kriegführung sind die Cruisemissiles, die »an der Ampel rechts abbiegen«, um zielgenau den Lüftungsschacht eines gegnerischen Bunkers anzufliegen, sowie die militärische Nutzung des Weltraums. In Verbindung mit der Computertechnologie ermöglicht sie die nahezu zeitverlustfreie Vernetzung der sich unmittelbar im Kampf befindenden Soldaten mit ihrer militärischen Führung. Die über die Einpflanzung von Chips noch zu steigernde direkte Vernetzung von Mensch und Maschine führt vom Soldaten der industrialisierten Massenheere des 20. Jahrhunderts über Berufsarmeen zum technologischen Krieger des 21. Jahrhunderts.
Ursprünglich als Reaktion auf die Weigerung der westlichen Gesellschaften gedacht, Opfer auf der eigenen Seite oder der gegnerischen Zivilbevölkerung zuzulassen, verändert diese »Revolution in Military Affairs« die bisherige Kriegführung fundamental. Besonders die
neueste Entwicklung miniaturisierter Atombomben, die gegen gegnerische Bunkersysteme eingesetzt werden sollen, kann die bisherige Grenze zwischen konventioneller und atomarer Kriegführung durchlässig machen. Verstärkt wird diese Problematik durch die Versuche einer Reihe von Staaten, in den Besitz von atomaren, chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen zu gelangen.
Der gegenwärtige waffentechnologische Wandel begründet zum Teil den Übergang von Wehrpflicht- zu Berufsarmeen, weil in einer relativ kurzen Ausbildungszeit nicht mehr die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden können. Umgekehrt sind die neuen Formen von Massakern und Verwüstungskriegen wesentlich mit bedingt durch die vereinfachte Bedienung von automatisierten Handfeuerwaffen und deren massenhafte Verbreitung.
Die momentane Entwicklung in Kriegführung und gewaltsamen Konflikten ist durch wesentliche Gegensätze gekennzeichnet: Auf der einen Seite gibt es Kriege mit »Messern und Macheten«, auf der anderen futuristisch anmutende Hightech-Kriege.[...]
 
Biographische Informationen
Andreas Herberg-Rothe, Dr. phil. hbil., ist Privatdozent am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin.
Campus Verlag; March 2003
155 pages; ISBN 9783593414133
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